8 · MOBILITÄT
Mobilität – warum wir im Stau stehen
Papenburg muss seine bisherigen Mobilitäts- und Radverkehrskonzepte vollständig auf den Prüfstand stellen und für die kommenden Jahrzehnte neu denken. Das derzeitige „Geflicke“ bleibt für die unmittelbare Verkehrssicherheit wichtig, verschleppt aber die zwingend notwendige Gesamtentwicklung, der sich Ratspolitik und Verwaltungsführung stellen müssen. Die Zukunft der Mobilität kommt – wir können sie gestalten, aber nicht vermeiden. Die notwendige Neuausrichtung darf deshalb durch die Politik nicht länger verschleppt werden.
Durch die permanente Fortschreibung des Straßenbestands ist der Stadt bekannt, welche Maßnahmen besonders dringend sind. Die erforderlichen Investitionen werden nach klaren Prioritäten in unser 100-Millionen-Euro-Investitionsprogramm und das Papenburger Vier-Säulen-Modell eingeordnet.
2021 startete Papenburg ein Programm zur Umwidmung vorhandener Straßen in Fahrradstraßen. In der Bülte wurde die Fahrbahn zwar erneuert, das Ergebnis blieb jedoch halbherzig: Sichere Querungen und verständliche Anschlüsse fehlen, und weder von der Emdener Straße noch von der Bokeler Straße ist klar erkennbar, wie die Fahrradstraße erreicht wird und wohin sie führt. Die politische Präsentation war damit offenbar wichtiger als ein vollständig funktionierendes Radverkehrsangebot. Eine Umwidmung allein bringt wenig, wenn Fahrbahn, Querungen, Wegweisung und Anschlüsse nicht ganzheitlich geplant werden.
Äußerst wichtig sind Kommunikatoren, die den Menschen verständlich erklären, was gemacht wird, warum es notwendig ist und wann die Umsetzung erfolgt. Die Menschen werden nicht nur informiert, sondern aktiv einbezogen. Bürgerprojekte und Patenschaften ermöglichen Eigenverantwortung; der Bauhof unterstützt mit Fachwissen, Material und festen Ansprechpartnern. So können Verwaltung, Fachleute und Bürger gemeinsam sichtbare Verbesserungen erreichen.
Der ÖPNV ist für Papenburg seit mehr als 30 Jahren ein wichtiges Thema. Konzepte sind längst vorhanden, der politische Wille zur Umsetzung war allerdings nur begrenzt erkennbar. Gestartet wird dort, wo Mobilität sofort Menschen zusammenbringt und Veranstaltungen belebt: bei den Papenburger Meilen sowie bei Veranstaltungen am Untenende, Obenende, in Aschendorf und den weiteren Stadtteilen. Findet irgendwo in Papenburg eine größere Veranstaltung statt, sorgen Busse und Shuttles dafür, dass die Menschen aus allen Stadtteilen sicher hin- und wieder zurückkommen. So können sie gemeinsam feiern und ein Bier oder ein Glas Wein genießen, ohne auf das eigene Auto angewiesen zu sein. Das Schützenfest in Rhede zeigt als Beispiel aus der Nachbarschaft, wie hervorragend dieses Modell funktioniert und dass die Menschen gerne dafür bezahlen.
Papenburgs besondere, langgezogene Stadtstruktur stellt uns vor große Herausforderungen und bietet zugleich beste Voraussetzungen für eines der flexibelsten, praktischsten und modernsten Mobilitätskonzepte. Anders denken ist hier Programm. Mobilität kommt – und die Zukunft können wir nicht verhindern. Deshalb nehmen wir sie selbst in die Hand.