A.2 · DIE 4 SÄULEN DER STADT
Umsetzung – Das Papenburger Vier-Säulen-Modell
Jedes erfolgreiche Projekt beginnt mit einer Idee, dem festen Willen zur Umsetzung und der Begeisterung, etwas Eigenes aufzubauen. Jeder Unternehmer kennt diesen Anfang: Zunächst gibt es weder eine vollständige Finanzierung noch einen perfekten Plan. Es gibt eine überzeugende Vorstellung davon, was entstehen soll. Daraus werden Partner, Berechnungen und Strukturen entwickelt – und mit jedem erreichten Schritt wächst das Projekt.
Damit aus dieser Vorstellung ein tragfähiges Vorhaben wird, muss frühzeitig die wirtschaftliche Frage beantwortet werden: Wie kann es funktionieren und wie kann daraus Wertschöpfung entstehen? Dafür werden Bedarf, Nutzen, Zielgruppen, Einnahmen, Einsparungen, Partner, Finanzierung und späterer Betrieb betrachtet. Erst wenn daraus ein tragfähiges wirtschaftliches Modell entstanden ist, kommt die Verwaltung ins Spiel und klärt, wie es planerisch, rechtlich und organisatorisch umgesetzt werden kann.
Das Papenburger Vier-Säulen-Modell ist an die wirtschaftliche Fall- und Entscheidungsmethodik der Harvard Business School angelehnt und für die kommunale Projektentwicklung weitergeführt. Dabei endet ein Projekt nicht mit seiner Fertigstellung: Von Anfang an wird geplant, wie daraus ein wirtschaftlicher Betrieb mit Einnahmen, Gewinnen und neuer Wertschöpfung entstehen kann. Harvard-Fallmethode, Harvard Business Review: Projektphasen
Verwaltung ist unverzichtbar – aber Verwaltung heißt nicht ohne Grund Verwaltung. Ihre Stärke liegt in Rechtssicherheit, Verlässlichkeit, Gleichbehandlung und stabilen Abläufen. Entwicklung verlangt zusätzlich unternehmerisches Denken, Mut, Tempo und die Bereitschaft, kalkulierbare Risiken einzugehen. Für die Verbindung der verwaltungsfachlichen und wirtschaftlichen Sichtweise tragen insbesondere der Bürgermeister und der Erste Stadtrat Verantwortung. Hinzu kommt der Rat als demokratisch legitimierte Vertretung der Stadt und entscheidendes Beschlussorgan.
Untersuchungen zur Innovationsfähigkeit von Städten zeigen, dass stark hierarchische, risikoscheue und ausschließlich regelorientierte Strukturen Entwicklung erheblich behindern können. Deshalb darf eine Stadt, die sich wirtschaftlich entwickeln muss, nicht allein aus einer verwaltungstechnischen Perspektive geführt werden. Die gewählte Spitze muss Chancen erkennen, Verantwortung übernehmen und der Verwaltung den Rückhalt geben, neue Lösungen rechtssicher zu ermöglichen. OECD: Innovationsfähigkeit von Städten
Auf dieser Grundlage erhält jedes größere Papenburger Zukunftsprojekt vier verbindliche Säulen:
1. Erste Säule: Projekt und Bedarf
Zu Beginn wird geklärt, welches Problem gelöst werden soll, welchen Nutzen das Projekt schafft und welche fachlichen Voraussetzungen bestehen. Dazu gehören belastbare Zahlen, Vergleichsprojekte, Flächen, Technik und ein realistischer Zeitrahmen.
2. Zweite Säule: Finanzierung
Anschließend werden sämtliche Finanzierungsquellen verbunden: Förderprogramme, Eigenmittel, Investitionskredite, Beteiligungen von Unternehmen, private Investitionen und weitere Partner. Nicht die einzelne Finanzierungsquelle entscheidet, sondern deren sinnvoller Gesamtaufbau.
3. Dritte Säule: Umsetzung und Verantwortung
Für jedes Projekt werden Zuständigkeiten, Partner, Arbeitsschritte und Kontrollpunkte festgelegt. Bürger, Unternehmen, Hochschulen, Fachleute, Verwaltung und Politik werden entsprechend ihren Fähigkeiten eingebunden. Dadurch bleibt erkennbar, wer welche Aufgabe übernimmt und wann Ergebnisse vorliegen müssen.
4. Vierte Säule: Selbstständigkeit und Verstetigung
Bereits bei der Planung wird festgelegt, wie das Projekt nach der Aufbauphase dauerhaft eigenständig weitergeführt werden kann. Wo es möglich ist, wird es wie ein Unternehmen in eine selbstständige wirtschaftliche Struktur überführt. Das Ziel besteht nicht nur darin, die laufenden Kosten zu decken: Das Projekt soll möglichst Einnahmen und Gewinne erwirtschaften, neue Investitionen finanzieren und die Wertschöpfung dauerhaft in Papenburg halten.
Wichtig: Entwicklung bedeutet nicht, jeden Fehler zu verhindern. Wer seine gesamte Energie darauf verwendet, sich abzusichern und niemals angreifbar zu machen, arbeitet zwangsläufig auf Sparflamme. Unternehmer wissen, dass gerade dort die größten Lerneffekte entstehen, wo nicht alles wie geplant funktioniert. Entscheidend ist, Fehler früh sichtbar zu machen, ihre Ursachen auszuwerten und das Projekt anschließend besser und erfolgreicher fortzuführen.
Für jedes Projekt wird künftig ein einheitliches Deckblatt als Bestandteil der im Ratsinformationssystem hinterlegten Beschlussvorlage geführt. Ergänzend zu den vier Säulen bildet es die zentralen Steuerungsgrößen Zeit, Kosten, Leistung und Risiken ab, sodass Sachstand, Verantwortlichkeiten, Finanzierung und nächste Schritte auf einen Blick nachvollziehbar sind auf Basis der Geschäftsordnung des Rates der Stadt Papenburg
Durch die verbindliche Fortschreibung bleibt bei jeder Entscheidung der gesamte Fall im Blick: Nutzen, Beteiligte, Finanzierung, Zeit, Kosten, Leistung, Risiken und wirtschaftliche Wirkung. Projekte werden nicht nur fertiggestellt, sondern zu selbstständigen Betrieben entwickelt, die ihre Kosten tragen, Gewinne erwirtschaften und dauerhaft Wertschöpfung für Papenburg schaffen.
← 100 MILLIONEN EURO FÜR PAPENBURG Alle Themen MEYER BLEIBT MEYER →